20.12.26
Tickets KADAVAR, + Special Guests: Earth Tongue und Scott Hepple & The Sun Band in Berlin
Konzert

Tickets für KADAVAR + Special Guests: Earth Tongue und Scott Hepple & The Sun Band 20.12.26 in Berlin, SO36

Tickets – KADAVAR Berlin

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Was fehlt denn eigentlich noch bis zur Apokalypse? Feuer vom Himmel? Heuschrecken? Ozeane aus Blut? Ansonsten ist ja alles da. Natürlich nicht erst seit gestern: Schon 2017 dröhnen sich Kadavar mit „Rough Times“ durch ihr ganz eigenes Doomsday-Szenario. Acht Jahre später stellen sie fest: Es ist alles nur noch viel, viel schlimmer geworden. Wieder reagiert Berlins Rock-Royalty mit Musik darauf – und klingt deutlich roher, dröhnender, kompakter und düsterer als zuletzt: „K.A.D.A.V.A.R.“ ist wie ein zweites Debütalbum, ein neues Referenzwerk, das die besessene Riff-Lust ihrer frühen Tage mit der spacigen Kreativität der neuen Viererkonstellation vermählt. 

Erst vor wenigen Monaten legten Kadavar mit dem spektakulären Space-Rock-Trip „I Just Want To Be A Sound“ einen bemerkenswerten Neustart hin. Der war nötig: Die Luft war raus bei Lupus Lindemann, Tiger Bartelt, Jascha Kreft und Simon Bouteloup. Sie waren müde von den Touren um die ganze Welt. Müde von sich selbst vielleicht sogar. Aber was tun mit all dem, was man sich aufgebaut hat? Wie eine Karriere fortführen, die Kadavar zum größten deutschen Vintage-Rock-Export weltweit gemacht hat, jetzt aber plötzlich anstrengt? Einfach so aufhören? Weitermachen wie bisher? 

Nö. 

Alles einreißen. 

Gemeinsam mit Produzent Max Rieger (Die Nerven) machen sich Kadavar auf die Suche nach ihrer Identität. Mit „I Just Want To Be A Sound“ schreiben sie ein Album zusammen, das ein neues Fundament für ihren Sound wird. Ein Fundament, auf dem man wieder ganz neu aufbauen kann. Und den Knoten endgültig zum Platzen bringt: Nur wenige Monate nach diesem Reset kehren Kadavar zur Quelle ihrer urwüchsigen Fuzz-Kraft zurück. Und klingen so befreit, so entfesselt wie seit Jahren nicht. 

K.A.D.A.V.A.R.“ ist ein Album wie früher. Nur durch die Brille des letzten. „Dieses Album war im Grunde schon im Vorgänger angelegt“, sagt Tiger Bartelt. „Es ist wie ein Negativ davon.“ Was auf der letzten Platte eher mäanderte, groovt jetzt wieder. Wo es eher um sphärische Flächen ging, regiert jetzt wieder das Riff. „Wir gehen bewusst zurück zu unserer Basis“, ergänzt Lupus Lindemann. „Wir wollten wieder fette Riffs, wir hatten Lust auf dröhnenden Hard Rock.“ 

Dazu gehört natürlich auch der passende Sound. Entstanden ist „K.A.D.A.V.A.R.“ wieder wie fast alle anderen Platten davor auch: Mit Tiger Bartelt im Produzentensessel. „Aufgenommen wurde wieder direkt auf Bandmaschine, außerdem habe ich mein altes Acryl-Schlagzeug wieder ins Studio geholt“, erzählt er. Dadurch passierte etwas mit Kadavar. „Alle Unsicherheit, alle Zweifel waren wie verfolgen. Und was soll ich sagen: Dieser analoge Sound, der passt einfach perfekt zu uns. Wir haben über die letzten Jahre gelernt, dass es nicht immer darum geht, anders zu klingen. Sondern darum, Spaß zu haben. Und diesmal hatten wir Spaß mit etwas Vertrautem. Es hat sich einfach geil angefühlt, diese Platte zu machen. Wie ein Nachhausekommen.“ 

Aber eben ein Nachhausekommen nach einer prägenden Reise: Ohne „I Just Want To Be A Sound“, ohne die experimentelle Covid-Platte „Isolation Tapes“ oder das Kollabo-Album mit den Psych-Doom-Göttern Elder, ohne die Neuaufstellung als Quartett mit Jascha Kreft, ja sogar ohne die Songwriting-Jobs für die Fantastischen Vier wäre das alles so nie passiert. „Viel weiter auseinander könnten unsere Projekte zu dieser Zeit wirklich nicht gelegen haben“, lacht Lupus. „Aber sie waren nötig, weil sie uns gezeigt haben, was Kadavar alles sein darf. Sein kann. Deswegen ist „K.A.D.A.V.A.R.“ auch das Gegenteil eines Rückschrittes. Es ist ein großer Schritt nach vorn, gespeist aus dem rohen Ursprung dieser Band. „Der Kreis schließt sich“, nickt Tiger. „Seit unserem Debüt haben wir immer weiter ausgeholt, um Rockmusik für uns zu definieren. Mit all diesen Erfahrungen, mit all diesen Klangfarben, haben wir jetzt einfach wieder eine Rockplatte gemacht wie früher.“ Ohne die Reise der letzten Jahre, so sind sich alle sicher, würde es diese Band nicht mehr geben. 

Neuzugang Jascha Kreft (Odd Couple) spielt im Kadavar-Sound mittlerweile ebenfalls eine tragende Rolle. Ohne seinen wäre die Musik heute eine andere. Das Ende des klassischen Power-Trios zwang Kadavar dazu, ihre Musik rigoros neu zu denken. Und zu fremden Horizonten aufzubrechen. „Wir waren jahrelang eine geölte Maschine“, so Lindemann. „Ein Riff, ein Beat, Vocals drüber, fertig“, so beschriebt der Sänger ihren bisherigen Modus Operandi ein wenig überspitzt. „Mit Jascha hatten wir endlich all die Möglichkeiten, von denen wir immer geträumt hatten. Wir mussten aber erst mal einen Weg finden, sie einzusetzen.“ Daran hat Jascha nach Kreften – hehe – mitgeholfen. „Die Jungs haben mich mit offenen Armen empfangen und mich sofort ermutigt, ins Songwriting mit einzusteigen“, erinnert er sich. „Das kenne ich aus anderen Bands eher weniger. Dennoch haben Lupus und Tiger eine Dynamik, die diese Band groß gemacht hat. Und daran gibt es natürlich nichts zu rütteln.“ 

Neu im Kadavar-Kosmos ist auch die inhaltliche Tiefe. Wo „I Just Want To Be A Sound” innere Konflikte behandelte, geht „K.A.D.A.V.A.R.“ bewusst nach außen. Ist eine klassische Doomsday-Platte. Abgefuckter, zorniger, härter. Bissiger. Eine Aufarbeitung all dessen, was gerade so schief läuft in der Welt. Also fast alles. „Deswegen gehören diese Alben thematisch auch zusammen“, so Lupus. „Danach wird es noch eine dritte Platte geben, die für den Frühling, die Auferstehung steht. Dafür müssen wir aber erst mal durch die Zerstörung waten.“ 

Und zerstörerisch wird es: Die stampfende Basedrum zum Beginn des Openers „Lies“ und das daraufhin einsetzende Dröhn-Riff lassen kurz an „Iron Man“ denken und führen in einen unfassbaren Groover, der unmissverständlich klarmacht, dass die Band nichts verlernt hat. Im Gegenteil: Wenn sich der Refrain in höchste Höhen schraubt, versteht man, welche Odyssee die Berliner in den vergangenen Jahren hinter sich gebracht haben. Sie zogen aus, um sich neu zu finden, kämpften sich durch Irrungen, Wirrungen, Untiefen und Strudel. 

Die neun neuen Stücke zeigen: Am Ende hat sich all das gelohnt. Die Bandbreite reicht vom frechen Slacker-Rock von „Stick It“ über den dröhnenden Moloch von „K.A.D.A.V.A.R.“ bis zur Thrash-Metal-Keule (!) „Total Annihilation“. Vielfältiger und zugleich archetypischer klangen Kadavar wahrscheinlich noch nie. Aber so ist das eben, wenn wirklich jedes Bandmitglied gleichberechtigt Songs und Ideen beisteuert. „K.A.D.A.V.A.R.“ klingt vertraut und neu zugleich, würdigt das Gestern ohne darin verhaftet zu sein. Und ist vor allem eines: Ein Album übervoll mit Spielfreude. „Wir wollten die Leichtigkeit zurück, die wir vor 15 Jahren hatten“, betont Lindemann. „Die Naivität der ersten beiden Platten bekommen wir natürlich nicht zurück, aber wir können uns immerhin annähern. Es ist wie unser Debüt, nur diesmal eben als Quartett.“ Furios, groß, verdichtet. Kadavar sind wieder die alten. Und doch ganz neu. Willkommen zuhause. 

Björn Springorum

+ Special Guests: Earth Tongue und Scott Hepple & The Sun Band